„Alles Beton – Von welchen Äckern sollen unsere Kinder essen?“

So heißt eine ORF-Doku der Serie „Am Schauplatz“, und um dieses Thema ging es auch bei der

online-Podiumsdiskussion am 1. Dezember, dem UNO-Welttag des Bodens.

von Lorenz Glatz sen

Veranstalter:
Österreichische Bodenkundliche Gesellschaft (ÖBG)
Institut für Bodenforschung der Univ. für Bodenkultur Wien (BoKu)
ORF Am Schauplatz-Redaktion

Podium:
Robert Gordon (ORF-Am Schauplatz)
Univ. Prof Martin Gerzabek (BoKu),
Gabriele Tupy (Initiative gegen Verbauung im Donaufeld),
Lorenz Glatz sen. (Munus–Stiftung. Boden für gutes Leben),
Helmut Buzzi (Initiative „Vernunft statt Ostumfahrung“, Wr. Neustadt),
Michaela Reisenbauer (Bäuerin einer Solidarischen Landwirtschaft)

Insgesamt waren gut siebzig Menschen bei dieser Veranstaltung online dabei.

Österreich ist Europameister beim „Bodenverbrauch“. Täglich werden rund zwölf Hektar Ackerland aufgegeben und die Hälfte davon zubetoniert. Für das Bodenleben heißt das laut WWF am Beispiel der Regenwürmer: Täglich verschwindet ein Lebensraum für über elf Millionen von ihnen unter einer Betonschicht. Die Menschen darüber haben bis zum Jahr 2019 insgesamt fast 600.000 Hektar Boden verbraucht. Das entspricht sieben Prozent der Landesfläche und 18 Prozent ihres Dauersiedlungsraumes. Pro Kopf stehen ihnen noch 1500 Quadratmeter an Ackerboden zur Verfügung, sagt Prof. Gerzabek von der Univ. für Boku. Wenn die Entwicklung so weiterginge, berechnet das Institut für Höhere Studien, gäbe es in zweihundert Jahren keinen Quadratmeter Ackerland mehr. Unbewohnbar wäre das Land wohl schon viel früher.

Die Betonmischer laufen rund um die Uhr, und selbst jene Stadtplaner, die sagen, das Problem erkannt zu haben, bestehen darauf, dass ihre eigenen Projekte noch verwirklicht werden müssten. Beispiele sind z.B. die Umfahrungsstraße um Wr. Neustadt, die zwanzig Hektar Auwald und Ackerland verschlingen soll, ein neues Verteilzentrum eines Onlinehändlers bei Graz auf grüner Wiese, der letzte Rest der Gemüsefelder im Wiener Donaufeld oder – in jüngster Zeit – der hoffnungsvollen Erfolg gegen den Bau des Lobautunnels. Der Widerstand wächst. Wer die oben genannte und verlinkte „Am Schauplatz“- Doku noch nicht gesehen hat, kann hier nachsehen, in welchem Umfeld unsere Munus-Stiftung und die solidarische Landwirtschaft sich hier bewegen.

Als die Besonderheit der Munus-Stiftung und der solidarischen Landwirtschaften wurde sichtbar, dass sie auf lange Frist und eine Vielfalt von Orten und Gelegenheiten eingestellt sind. Sie bieten Menschen konkrete Möglichkeiten, zur Lösung der sozialen und ökologischen Probleme und Widrigkeiten beizutragen. Die Stiftung kann aus einem Eigentum, das beliebig, also auch ökologisch und sozial schädlich, verwendet werden kann, ein gemeinnütziges Gut machen, und dafür sorgen, dass sich dort solidarisches Wirtschaften entwickeln und wirksam werden kann.

Dabei gibt es fruchtbare Berührungspunkte mit Menschen, die als Aktivisten bei konkreten Anlässen gegen falsche Entwicklungen auftreten, und ebenso Kooperationen mit Menschen, die mit den Mitteln der Wissenschaft und Publizistik einerseits solchen Widerstand unterstützen und andererseits ökologische und soziale Lösungsansätze fördern.